Vorsicht! Infoveranstaltung…

Nach der Informationsveranstaltung im Ellerauer Bürgerhaus am 13.10.2015 hat sich viel getan. Diverse Kontakte mit Betroffenen, Gutachtern und Politikern wurden geknüpft, die Bürgerinitiative hat sich als Verein gegründet und viele verschiedene Dinge sind in der Organisation. So hatten wir einerseits alle Hände voll zu tun und andererseits genug Zeit, die Infoveranstaltung mal sacken zu lassen.

Und nachdem wir nun einige Nächte drüber geschlafen haben, können wir ganz gelassen sagen: Was für eine Farce! (Substantiv [die]; Eine Sache, die als wichtig dargestellt wird, im Verhältnis zu diesem Anspruch aber lächerlich wirkt.) Besser und einfacher kann man es wohl nicht beschreiben.

Aber der Reihe nach: Als wir um 17:00 Uhr dort auftauchten, hingen schon die Pläne an der Wand bzw. lagen auf den Tischen. Dass dabei die wichtigsten Pläne mitten im Gang und im dunkelsten Bereich standen…Zufall? Dass die Pläne teilweise widersprüchlich waren, mal mit Strommast auf einer Seite, mal mit Strommasten links und rechts…Zufall? Also versuchten wir Fotos von den relevantesten Unterlagen zu machen, was aufgrund der taktisch klug gestellten Tafeln gar nicht so einfach war. Nach diversen durchaus berechtigten „Sie stehen im Weg“ und „Ich will auch was sehen“ waren die Aufnahmen im Kasten und wir suchten uns einen geeigneten Sitzplatz. Auf dem Weg dorthin, wurden wir von irgendwem (er stellte sich leider nicht vor) gebeten, doch mal unsere Anliegen auf kleine Kärtchen zu schreiben. Auf unseren Hinweis, dass wir unser Anliegen schon noch deutlich zum Ausdruck bringen werden, zog der Herr von dannen.

Um 18:00 Uhr wurde dann die Veranstaltung von Elleraus Bürgermeister Herrn Urban eröffnet. Nach einigen einleitenden Worten übergab dieser das Wort an den AKN-Vorstand Herrn Seyb, der betonte, dass man sich in einer „frühen Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung“ befände. Er stellte die von Seite des Vorhabenträgers anwesenden Personen vor und übergab dann an den Moderator des Abends, einem Herrn Märtens. AHA, der Herr mit den Kärtchen!
Herr Märtens führte nun aus, dass zunächst die Experten und Planer das Vorhaben im Detail erläutern werden. Er erwähnte, dass die Veranstaltung um 20:00 Uhr endet. Da er im nächsten Satz jedoch betonte, dass im Anschluss noch genug Zeit sein werde, „all das was Ihnen auf den Nägeln brennt, noch zu beantworten“, gingen wir und viele Andere davon aus, dass mit 20:00 Uhr das Ende der Fachvorträge gemeint war.

Und dann ging es los: Zunächst wurde uns der Sinn und Zweck des Vorhabens und die einzelnen Bauabschnitte nochmal eingehend erklärt. Ab und zu versuchten eine Handvoll Animateure etwas Stimmung für das Projekt zu machen. Nachdem man jedoch merkte, dass man damit komplett allein dasteht, wurde dieser Unfug zum Glück gelassen. Und so wurden uns weiter Bau- und Fahrpläne gezeigt, bis wir endlich bei den wichtigsten Punkten des Abends angelangt waren. Das, worauf alle Anwesenden so brennend gewartet hatten. Und so hielt es uns kaum noch auf den Sitzen als beinah eine halbe Stunde in aller gebotenen Ausführlichkeit über die Bauvorhaben „Brücke über die Gronau“ und der „Durchlass Viehtrift“ schwadroniert wurde. Endlich, ja endlich haben die Rehlein und Fischlein und unser so geliebtes Milchnutzvieh Ruhe vor dem lauten Bahnverkehr. Denn es wurden weder Kosten noch Mühen gescheut der Quickborner Tierwelt erschütterungsarme und lärmreduzierte Bauwerke mitten im Nichts zu spendieren. Hier hätten die erwähnten Animateure nun einspringen können…ein tosender Applaus wäre garantiert gewesen! Naja, niemand ist perfekt…

So kamen wir dann letztendlich doch noch zu den wichtigen Themen, wie dem Bahnübergang Bahnstrasse. Dank kaum leserlicher oder gar nachvollziehbarer „Annäherungszeiten“ wurde versucht uns zu verkaufen, dass die Schranken an dem Bahnübergang bald, dank veränderter Signaltechnik, sogar ein paar Sekunden weniger lange unten sein werden. Da der Referent sich jedoch, trotz mehrfacher Nachfragen aus dem Publikum, partout nicht von seinem Fachdeutschchinesisch trennen wollte, nahm ihm das aber niemand ab. Im allgemeinen Gemurmel ging dann leider auch der Hinweis des Ellerauer Gemeindevertreters Herrn Evermann (AE) unter, der berechtigterweise fragte: „Warum wird uns Ellerauern dann seit Jahrzehnten gesagt, dass eine Änderung auf keinen Fall möglich sei?“ Hier ist jegliche Glaubwürdigkeit verspielt worden.

Weiter ging es dann mit Erläuterungen zum Bereich zwischen den Bahnhöfen Ellerau und Tanneneck, mit den (teils vorläufigen) Ergebnissen der Lärm- und Erschütterungsgutachten und deren rechtliche Beurteilung sowie Ausführungen zur Elektrifizierung samt elektromagnetischen Feldern. Nun war es schon kurz vor 8 und gnädiger Weise verlängerte man die Zeit für Fragen noch bis etwa 20:30 Uhr. Dass in der Kürze der Zeit dann natürlich nicht annähernd alle Fragen beantwortet werden konnten war klar. Und um 20:30 Uhr hatte man den Eindruck, dass die Planer und Experten überglücklich waren, diese Veranstaltung hinter sich gebracht zu haben. Zurück blieben ratlose, ängstliche und wütende Bürger…

„Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“ ist das, was auf den Folien, die dort gezeigt wurden, stand. Sehr bezeichnend ist, dass auf den überarbeiteten und durch die NAH.SH online gestellten Folien nur noch „Infoveranstaltung“ steht. Allerdings ist das von der NAH.SH durchaus korrekt gedacht. Denn eine Öffentlichkeitsbeteiligung (=mitwirken) war dies nicht! Nach dem Motto „Friss oder stirb!“ wurden hier Pläne ausgerollt, von denen man möglichst keinen Millimeter mehr abrücken möchte. Einfach, weil die Planungen schon zu weit fortgeschritten sind, um sich von dummen Bürgern nun noch reinreden zu lassen. Und weil jede noch so kleine Änderung am knappen Nutzen-Kosten-Faktor rüttelt. Dass das Projekt insgesamt auf wackeligen Bierdeckeln steht, ist den Planern sicher nur allzu bewusst. Und so hat man die letzten Jahre alles dafür getan, das Projekt möglichst ohne viel Öffentlichkeit voranzutreiben und macht auch nun nur das absolut Notwendigste. Wer meint, dass diese Taktik zum Erfolg führt, der glaubt auch, dass U-Bahnen nur unterirdisch fahren.

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