Das Advents-Hintertürchen

Während die Kinder zur Adventszeit fleißig die Türchen der Adventskalen­der öff­nen, öffnet Herr Hüt­tel von der S‑Bahn Ham­burg GmbH ganz neben­bei ein Hin­tertürchen, welch­es uns aufhorchen lässt.

Aus einem Artikel der “Umschau” vom 02.12.2015 kann man fol­gen­des entnehmen:

Der durchge­hende S‑Bahn-Betrieb und die Inte­gra­tion in das Ham­burg­er S‑Bahn-Netz bringt für den Fahrgast sicher­lich weit­ere Vorteile mit sich, wobei “sich an den gegen­wär­ti­gen Tak­tzeit­en zunächst ein­mal nichts ändern wird”, so Michael Hüt­tel von der S‑Bahn und weit­er: “Wenn die Nach­frage entsprechend ist, sind wir zuver­sichtlich, die gegen­wär­ti­gen Tak­tzeit­en zu ändern.”

Und auch der Bürg­er­meis­ter von Kaltenkirchen hat sich in einem heute im “Schleswig-Hol­stein Mag­a­zin” veröf­fentlicht­en Beitrag hoff­nungsvoll gezeigt, dass der Takt erhöht wird.

Wenn es das Ziel ist, die S21 zeit­nah auf einen 10-Minuten-Takt umzustellen, dann wären die Fol­gen beachtlich: Neben ein­er weit­eren Ver­schlechterung der ÖPNV-Anbindung im Bere­ich um den Bahn­hof Elb­gaus­trasse und ein­er Ver­dop­pelung der Lärme­mis­sion, würde ein 10-Minuten Takt auch zu ein­er Ver­dop­pelung der Schranken­schließzeit­en führen. Ins­beson­dere für den Bere­ich Quickborn/Ellerau würde das den dor­ti­gen Straßen­verkehr wohl vol­lends zum Erliegen bringen.

Allerd­ings sind alle Pla­nun­gen auf den bish­eri­gen Takt aus­gelegt. Dies hat den Hin­ter­grund, dass der Vorhaben­träger (die Län­der Schleswig-Hol­stein und Ham­burg sowie die NAH.SH und S‑Bahn) sich für das notwendi­ge Genehmi­gungsver­fahren mit möglichst wenig Lärm­schutz und Änderun­gen bei der Verkehrs-Infra­struk­tur herum­schla­gen muss. Ist das Pro­jekt erst ein­mal real­isiert, wird der Takt dann irgend­wann ein­fach ange­hoben. Ansprüche auf besseren Lärm­schutz oder die Kosten­beteili­gung an notwendi­gen Straßen­baupro­jek­ten wird man dann weit von sich weisen.

Wir fordern daher, dass der Lärm­schutz und die Verkehrs­pla­nung in den betrof­fe­nen Städten und Gemein­den an die max­i­mal mögliche Streck­enka­paz­ität angepasst wird. Das bet­rifft einen möglichen 10-Minuten-Takt, die angedacht­en Nacht­fahrten und auch den denkbaren Güter­verkehr auf der Strecke.

5 Gedanken zu „Das Advents-Hintertürchen“

  1. Das habe ich doch vor­raus­ge­sagt, erst­mal aus­bauen und dann Tak­ter­höhung. Somit wer­den die Bah­nübergänge auch vielle­icht später höhen­frei aus­ge­führt gehören dann aber nicht mehr zum Aus­baupro­jekt. Das war sicher­lich der Plan von Anfang an.

  2. Zwis­chen 16–18 Uhr fahren schon viele Jahre plan­mäßig 18–19 Züge zwis­chen Eller­au und Tanne­neck. Eben­so gibt es heute bere­its nachts einige Fahrten im Stun­den­takt bis halb drei Uhr früh. Ich wohne zwar nur neben ein­er Hauptverkehrsstraße, aber als eben­so lär­mge­plagter Anwohn­er erk­lären Sie mir doch bitte, welchen Unter­schied es in Ihrer Nacht macht, wenn neben 0.30, 1.30, 2.30 und 5.30 Uhr nun um 3.30 und 4.30 auch noch ein Zug fährt. Ern­sthafte Frage: schlafen Sie heute nur in den drei Stun­den Betriebspause?

    Da der Takt aber auch nur bei viel stärk­er­er Nach­frage verdichtet wer­den soll, die aus Ihren Rei­hen ja angezweifelt wird, ist doch gar keine Schwierigkeit da.

    Ern­sthaft: Warum sind Sie so destruk­tiv? Ihr Anliegen in Ehren, doch die Bahn­strecke gibt es da seit 130 Jahren. Ich kann nicht nachvol­lziehen, wenn SIe mit Max­i­mal­forderun­gen den nöti­gen Aus­bau des Nahverkehrs kaputt machen wollen.

    • Sehr geehrte Kom­men­ta­torin, sehr geehrter Kommentator,

      vie­len Dank für Ihren Beitrag. 

      Dem Artikel ist nicht zu ent­nehmen, dass wir gegen Nacht­fahrten sind. Auch stellen wir uns nicht grund­sät­zlich gegen einen (ökonomisch und ökol­o­gisch sin­nvollen) Aus­bau des ÖPNV. Das wäre nicht nur verkehrspoli­tisch fatal und dumm, son­dern wir wür­den uns, die wir den ÖPNV ja selb­st inten­siv nutzen, auch ins eigene Fleisch schneiden.

      Ander­er­seits wer­den die Fol­gen des Bah­naus­baus in Bezug auf Lärm etc. von Seit­en des Vorhaben­trägers immer wieder klein gere­det, um so den geset­zlich geregel­ten Lärm­schutz (und somit die Kosten) möglichst ger­ing zu hal­ten. Daher hal­ten wir es für legit­im auf diesen Sachver­halt aufmerk­sam zu machen und im Sinne der Anwohn­er ent­lang der Strecke angemesse­nen Lärm­schutz zu forden.

  3. Mit dem Aus­bau hät­ten Sie doch zumin­d­est ent­lang der Bahn­straße Anspruch auf den Lärm­schutz gemäß aktuell­ster Stan­dards, soweit ich weiß. Sie wen­den sich doch auch, so ver­ste­he ich Ihre Äußerun­gen, primär gegen den zwei­gleisi­gen Aus­bau, weil Sie Elek­tros­mog und Enteig­nung fürcht­en. Das hät­ten Sie auch mit einem spitzen­mäßi­gen Lärmschutz.

  4. Der Lärm­schutz wird so klein wie Möglich geplant, um die Pro­jek­tkosten niedrig zu hal­ten. Das Pro­jekt ist mit einem Nutzen-Kosten-Fak­tor von 1 : 1,12 schon sehr knapp kalkuliert. Großzügig wird der Lärm­schutz dann nicht realisiert.
    Aber was nützt mir die schön­ste Lärm­schutzwand, wenn mein Garten knapp 80 qm klein­er wird.

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